Vor der Küste von Lemon Valley liegt das Wrack der MV Frontier, einer der faszinierendsten Tauchplätze rund um Saint Helena Island. Der ehemalige Fischtrawler ruht heute auf dem Meeresgrund und hat sich im Laufe der Zeit in ein künstliches Riff verwandelt, das von vielfältigem Meeresleben besiedelt wird. Gleichzeitig ist das Wrack Teil einer ungewöhnlichen Geschichte, die von Geheimnissen, Kriminalität und dem heutigen Engagement der Insel für den Meeresschutz erzählt.
Ein Schiff mit einem Geheimnis
Die MV Frontier war ein etwa 50 Meter langer Fischtrawler fernöstlicher Herkunft, der Anfang der 1990er-Jahre unter ungewöhnlichen Umständen nach Saint Helena Island kam. Offiziell lief das Schiff die Insel an, um kleinere Reparaturen durchführen zu lassen und Frischwasser aufzunehmen. Als die lokalen Behörden das Schiff kontrollierten, machten sie jedoch eine überraschende Entdeckung: Im Laderaum befand sich eine große Menge Cannabisharz mit einem geschätzten Wert von rund 15 Millionen Pfund, die dort versteckt worden war.
Der Kapitän Willem Merk und seine Crew wurden daraufhin festgenommen, und der Trawler wurde von der Inselregierung beschlagnahmt. Da das Schiff zu beschädigt war und eine Reparatur als zu kostspielig galt, entschied man sich schließlich, es im Dezember 1994 gezielt zu versenken. Heute liegt die MV Frontier vor der Küste von Lemon Valley und bildet ein künstliches Riff, das zahlreichen Meereslebewesen einen Lebensraum bietet.
Der Tauchplatz der MV Frontier
Heute liegt das Wrack der MV Frontier auf ihrer Steuerbordseite in etwa 27 Metern Tiefe vor der Küste nahe Jamestown und ist für die örtlichen Tauchbasen gut erreichbar. Trotz der Einflüsse von Zeit und Meer ist das Wrack noch erstaunlich gut erhalten, sodass Teile der Aufbauten und Masten weiterhin sichtbar sind.
Im Laufe der Jahre hat sich das Schiff in ein lebendiges künstliches Riff verwandelt. Schwärme von Almaco-Jacks, Amberjacks und Saint-Helena-Falterfischen umkreisen das Wrack, während kleinere Arten wie Nacktschnecken und Schleimfische im korrodierten Metall Schutz finden.
Die Bedingungen sind meist sehr gut: klares, blaues Wasser mit Sichtweiten von über 20 Metern und überwiegend ruhigen Strömungen. Der Tauchgang ist für Advanced Open Water Diver geeignet und wird häufig als Teil eines Zwei-Tauchgänge-Ausflugs am Morgen durchgeführt, oft in Kombination mit nahegelegenen Wracks wie der SS Bedgelert oder SS Papanui. Das Betreten des Wracks ist aus Sicherheits- und Naturschutzgründen nicht gestattet.

Meeresleben und Taucherlebnis
Das Wrack der MV Frontier zieht durch seine Lage und Tiefe eine große Vielfalt an Meereslebewesen an. Taucher begegnen hier häufig Falterfischen, Lippfischen, Zackenbarschen und Schnappern sowie Grünen Meeresschildkröten. Mit etwas Glück ziehen auch Mantarochen vorbei und in den Sommermonaten werden gelegentlich sogar Walhaie in der Umgebung gesichtet.
Die Struktur des Wracks ist heute von Korallen, Schwämmen und anderen Meeresorganismen bedeckt und bietet hervorragende Möglichkeiten für Unterwasserfotografie. Durch die offene Schiffskonstruktion entstehen faszinierende Licht- und Schattenspiele, die diesen Tauchplatz zu einem der fotogensten rund um Saint Helena Island machen.
Die meisten Tauchgänge starten im Hafen von Jamestown und erreichen das Wrack nach etwa 15 Minuten Bootsfahrt. Die besten Bedingungen herrschen meist zwischen November und Mai, wenn das Wasser Temperaturen von etwa 20 bis 25 °C erreicht. Oft wird der Tauchgang mit einem Besuch anderer Wracks der Insel kombiniert.
Heute steht die MV Frontier sinnbildlich für den Wandel von einem beschlagnahmten Schiff mit bewegter Vergangenheit zu einem lebendigen künstlichen Riff. Für Besucher von Saint Helena bietet der Tauchplatz eine besondere Verbindung aus Geschichte, Natur und außergewöhnlichen Unterwassererlebnissen.
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